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EINFÜHRUNG

Der Orient hat auf uns Abendländer seit Alters her immer zwiespältig gewirkt. Er hat unsere Neugier erweckt, um uns dann zurück-schrecken zu lassen. Seine Kunst hat uns immer bezaubert weil sie, in den diversen Erscheinungsformen, von unseren Vorstellungen weit entfernt ist. Mysteriöses, Sinnliches, alles ist hier mit einer gewissen tiefen Bedeutung verbunden. Auch Kunstfreunde haben hier manchmal Mühe, weil sie häufig schlecht informiert oder durch die Komplexität überfordert sind.

Der Orientteppich, in den Ursprungsländer stets verehrt und eines seiner wichtigsten Erzeugnisse, hat auch uns, seit seinem Einzug in den Westen, immer wieder bezaubert und in seinen Bann gezogen.

Jeder Teppich ist ein individuelles Kunstwerk. Aus diesem Grund ist es selbst für den spezialisierten Experten manchmal schwer, die seltenen Stücke eindeutig zu bestimmen. Hie und da werden traditionelle Muster, ethnografisch an einem bestimmten Ort heimisch, durch Heirat irgendwann in eine andere Gegend eingebunden.

Mein Ziel ist hier nicht die ganze Bedeutung der Ikonographie des Teppichs zu lehren; das wäre selbst für Gelehrte kaum erreichbar. Vielleicht gelingt es mir jedoch Ihnen diese Kunst näher zu bringen und ein besseres Verständnis für deren Bedeutung zu erwecken.

Ein alter Orientteppich ist immer ein einmaliges Kunstwerk. Betrachtet man Duplikate, z.B. die sogenannten Zwillinge, eine persische Tradition, so lassen sich stets Unterschiede feststellen. Es kann eine Variante des Ausgangsthemas sein, andere Abmessungen, die Zahl der Bordüren variiert, der Rhythmus wechselt, u. a. m.
Um welche Art von Teppich es sich auch immer handelt, wenn Sie ihn kennenlernen und vielleicht ein bisschen verstehen wollen, ist es wichtig, ihn zuerst als Ganzes und dann seine wesentlichen Merkmale auf sich wirken zu lassen. Ehe man gewagte Spekulationen über sein Alter und seine Herkunft anstellt, sollte man durch ein genaues Betrachten versuchen, sein Wesen zu erkennen. Ein kostbarer Orientteppich, der diesen Namen verdient, lässt sich nicht als formelle, wohl aber als poetische Realität begreifen.




GESCHICHTE, URSPRUNG

Man geht davon aus, dass Nomaden aus der Steinzeit, dem Tierfell nachempfindend, den geknüpften Teppich hervorbrachten. Diese Menschen, stets im Kampf mit den Mächten der Natur, warengeneigt sich ihr zu beugen und deren Vorzeichen zu verstehen. Sie begannen gewisse Bilder des Alltags in Symbole umzusetzen. Diese fanden wiederum Eingang in die Ornamentik der ersten Textilien; man konnte sich damit der Gottheit mitteilen, in Gebet, Opfergabe, Hingebung oder Ehrerbietung. Es versteht sich von selbst, dass die Aesthetik und von Anfang an auch die Farben, hierbei eine wesentliche Rolle spielten.

Der mittlere Orient, auch Schmelztiegel der Menschheit genannt, war schon immer politischen Umwälzungen und feindlichen Einfällen ausgesetzt. Die Völker dort sind bunt zusammengewürfelt: Türken, Griechen, Juden, Perser, Araber, ägyptische Zigeuner, Syrer, Armenier, Tscherkessen, Kurden, Turkmenen, Inder usw. Sie wurden aus politischen Gründen hin und her geschoben und manchmal schonungslos, als lebender Schild, vor hereinbre-chende Horden gesetzt.
Das Einzige was sie gemeinsam hatten war vielleicht der Gebrauch des Teppichs als Gegenstand und Symbol ihres winzigen, privaten Bereichs.
Die natürliche Bedingungen wie das trockene und windige, manchmal sehr rauhe Klima, erforderten einen leichten und transportablen Schutz für den Boden, auf den sie ruhen durften. Die Rohstoffe wie Schaf-, Ziegen-, Kamel- oder Yakwolle, waren in der eigenen Umgebung reichlich vorhanden.

Wo und wann die Knüpfkunst anfing, möglicherweise an mehreren Orten, konnte bisher wissenschäftlich nicht eruiert werden.
Die Hypothese, wonach Ägypten die Wiege des Teppichs gewesen sein soll, wird u.a. von Plinius in seinen "Briefen" erwähnt. Gemäss einer weiteren Hypothese, gilt das Volk der Mayas als "Erfinder" des geknüpften Teppichs. Ihre Seefahrer sollen dann, von der Halbinsel Yucatan her, den Pazifik überquert und dem ägyptischen Volk diese Kunst gelehrt haben.

Ausschnitt aus einem Teppich des 17. Jh. mit Tier

Auszug aus Teil 2: GARTENTEPPICHE

Während der islamischen Eroberungszüge, im Jahr 637, fiel Kleispon, die Hauptstadt des Sassanidenreiches, in die Hände der Araber. Der Kaiserpalast, von Kaiser Chosrau erbaut, war eben 100 Jahre alt. Er enthielt die kostbarsten Schätze, darunter einen riesigen Teppich, die Gärten des Palastes darstellend. Man nannte ihn "Frühling des Chosrau". Die Schönheit dieses Teppichs hat den Eroberern grossen Eindruck gemacht. Von nun an wollten alle arabischen Heerführer sassanidische Teppiche für ihre Zelte haben: "Gartenteppiche".
Man wird sich fragen, warum gerade Gartenteppiche. Nun, wenn man bedenkt, dass die Araber heute noch "Wüstensöhne" genannt werden, begreift man, dass auch sie, wie die persischen Nomaden, von einem paradiesischen Garten mit vielen grünen Wiesen, Früchten, viel Wasser, schattigen Sitzplätzen, vielen freilebenden Vögeln und allerlei Tieren, träumten. Der Gartenteppich ist ein Versuch, diesen wunderbaren Traum bildlich fest zu halten.

Bachtiari-Schalamzar Gartenteppich


Hier muss daran erinnert werden, dass die Sunna, ein Kommentar zum Gesetz des Propheten, jede bildliche Darstellung von Lebewesen verbietet. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Vogel und Hund, Symbole des Guten und des Gottergebenen dürfen abgebildet werden. Trotzdem, nicht alle Schüler Mohammeds hielten sich an diese Richtlinien.
Die "Schiiten", eine Gruppe "Andersdenkender" erreichte bald eine Anhängerschaft von 15 Mio Getreuen. Die Künste wurden hier als ein Geschenk Gottes betrachtet, mit der daraus folgenden künstlerischen Freiheit. Ein Teppich soll schön sein und die Phantasie anregen, er soll einen Traum darstellen, z.B. den Traum eines paradiesischen Gartens, das vielleicht beliebteste Motiv, das in tausenden von Varianten vorkommt. Es entstanden schiitische und sunnitische Gartenteppiche, die relativ leicht zu unterscheiden sind.
Der Nomade Grosspersiens war mit Lebensbedingungen konfrontiert, die ähnlich denen der arabischen Wüstensöhne waren; deswegen die gemeinsame Vorliebe für den Gartenteppich.

Die vollständigen Unterlagen umfassen ca. 100 Seiten und werden bei Beginn des Kurses den Teilnehmern ausgehändigt.